20.06.2016

Erklärung zur Benennung einer Wiener Schule nach Friedrich Zawrel

Vergangene Woche wurde die Mittelschule in der Hörnesgasse im 3. Wiener
Gemeindebezirk nach Friedrich Zawrel benannt. Friedrich Zawrel ist 2015
verstorben. Er war Überlebender des NS-Euthanasieverbrechens "Am
Spiegelgrund". Sein Leben wird durch ein falsches und
menschenverachtend formuliertes Gutachten von Heinrich Gross geprägt,
den er später als ehemaligen Arzt in der NS-Tötungsklinik überführte. Friedrich Zawrel
wurde an seinem Lebensabend zu einem der gefragtesten Zeitzeugen
Österreichs. Unzählige Schulklassen konnte er für die Gefahren
autoritärer Systeme sensibilisieren. Im Nachlass von Friedrich Zawrel
fanden sich rund 1000 persönliche Briefe von Jugendlichen, die sich bei
Friedrich Zawrel für Vorträge bedankten.

Für all diese Schülerinnen und Schüler und viele andere Menschen ist
die Benennung der Schule in der Hörnesgasse ein Tag der Freude und der
Erinnerung an einen außergewöhnlichen Menschen. Nicht so für die
Wiener FPÖ. Die FPÖ wollte die Schulbenennung nach Friedrich Zawrel
verhindern und argumentierte mit Gerichtsurteilen, die teilweise vor
1945 getroffen wurden. Nun, in der Woche der Feierlichkeit, nennt der
Klubobmann der Erdberger FPÖ, Werner Grebner, in einer Presseaussendung
Friedrich Zawrel einen Verbrecher und führt längst getilgte Strafen
an. Aus diesen Vorstrafen hat Friedrich Zawrel freilich nie einen Hehl
gemacht. Zawrel trägt die größten Orden der Republik, er ist am
Ehrenhain der NS-Justizopfer bestattet. Der Justizminister sprach bei
seinem Begräbnis und entschuldigte sich für das Fehlverhalten der
Nachkriegsjustiz. Zawrel hat nicht nur den NS-Arzt Heinrich Gross
überführt und vor zehntausenden Schülern über die Greuel der NS-Zeit
referiert, er hat auch seinen Fall offen und ehrlich geschildert.

Die Beleidigungen gegen Friedrich Zawrel würden, lebte dieser noch,
wohl einen strafrechtlichen Tatbestand (§ 113 StGB) erfüllen. Die
Vorgangsweise der FPÖ, diese Beleidigungen nach dem Ableben Zawrels
öffentlich zu verbreiten, halten wir für niederträchtig und feig. Sie
beleidigen nicht nur das Andenken an Friedrich Zawrel, sondern auch
dessen viele Freundinnen und Freunde, insbesondere unter der Jugend.
Wir prüfen daher rechtliche Schritte.

Mag. Sandra Feichtinger, Psychologin

Dr. Winfried R. Garscha, Historiker

Mag. Nikolaus Habjan, Regisseur, Schauspieler

Dr. Veronika Hofinger, Kriminalsoziologin

Univ.-Prof. Dr. Mira Kadric-Scheiber

Dr. Florian Klenk, Journalist

Dr. Claudia Kuretsidis-Haider, Historikerin

Mag. Elisabeth Scharang, Filmemacherin, Journalistin

Dr. Oliver Scheiber, Jurist

Dr. Werner Vogt, Arzt, Publizist

Dr. Peter Zawrel, Kunstmanager